Leben im senkrechten Wald – Nachhaltiger Städtebau

Veröffentlicht am Donnerstag den 28. November 2019

Prägten bisher Beton, Glas und Stahl das Bild in den Städten, ist seit geraumer Zeit ein neuer, nachhaltiger Trend zu verzeichnen: naturnahes Wohnen durch begrünte Häuserfassaden. Der italienische Architekt Stefano Boeri hat sich mit dem Bau begrünter Hochhäuser international einen Namen gemacht.

  • Begrünter Hochhäuser werden international bekannter
  • In Mailand wurden 900 Bäume, 5.000 Sträucher und 11.000 Bodendecker gepflanzt
  • Es werden neue Lebens- und Nahrungsräume für Vögel und Insekten geschaffen

Im Mailänder Stadtteil Porta Nuova stehen seine bekannten Zwillingstürme „Bosco Vertikale“ (deutsch: „vertikaler Wald“), die 2014 fertiggestellt worden sind und für die Boeri den Internationalen Hochhauspreis erhielt. Mittlerweile folgen viele Architekten seinem Beispiel für grüne und ökologische Bau-Konzepte.

Für das Hochhausprojekt in Mailand wurden 900 Bäume, 5.000 Sträucher und 11.000 Bodendecker, eingebettet in 1,3 Meter tiefen Betonwannen, auf den Terrassen und Balkonen der Gebäudefassade gepflanzt. Der „Vertikale Wald“ entspricht ca. einer Waldfläche von 7.000 Quadratmetern. Gitter am Boden der Wannen liefern dabei zusätzlichen Halt für die Vegetation bei Wind und Wetter. Für die Bepflanzung der zwei Hochhäuser – Turm E mit 110 Metern Höhe und 27 Etagen und Turm D 76 Meter und 19 Etagen hoch – wurden 20 verschiedene Laub- und Nadelbaumarten sowie 80 weitere Pflanzenarten ausgewählt.

Alle Bäume und Pflanzen müssen nicht nur mit einer geringen Pflanzfläche auskommen, sondern auch starker Sonneneinstrahlung, Feuchtigkeitsverlust sowie Windstärken Stand halten und wurden extra für die gegebenen Wachstumsbedingungen gezüchtet. Die Planungsphase erstreckte sich über mehr als 2 Jahre. Testläufe wurden mithilfe von Windkanälen durchgeführt. Die Anpflanzung per Kran dauerte ein weiteres Jahr. Die Bewässerung der Pflanzen übernimmt ein spezielles System. Das Wasser wird dabei von einem Becken mit gesammeltem Brauchwasser der Häuser im Keller auf die Terrassen transportiert. Von einem eigens auf dem Dach installierten Kran, seilen sich Gärtner für die Pflege der grünen Fassaden ab.

Die Begrünung von Fassaden birgt enorme Herausforderungen, vereint aber viele nachhaltige Aspekte. Da in den meisten Städten wenig Platz für Grünflächen gegeben ist, kann mit solchen Konzepten urbaner Raum effektiv nutzbar gemacht werden. Neue Lebens- und Nahrungsräume für Vögel und Insekten werden geschaffen und die Biodiversität steigt. Zudem produzieren Pflanzen Sauerstoff, filtern Lärm und Staub, regulieren hohe Temperaturen: es entwickelt sich eine Art Mikroklima. Nicht zuletzt trägt der senkrechte Wald zur Verbesserung der Luftqualität und damit auch zu Wohn- und Lebensqualität in der Stadt bei.

Neben dem Mailänder Projekt gibt es noch weitere, in die Tat umgesetzte: In der Millionenmetropole Taipei steht das Hochhaus „Agora Garden“ und auch im chinesischen Nanjing wohnen die Menschen im „Vertical Forrest“ inmitten der Stadt. Weitere sechs solcher Bauprojekte grüner Architektur sind bereits in Planung und Bauvorbereitung.

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